Ich habe die sterilen Korridore verlassen. Instinktiv. Die Perfektion oben machte mich krank. Ich fand eine Luke, die auf keinem Plan verzeichnet war. Das Rad war rostig, aber es ließ sich drehen.
Hier unten riecht es anders. Nach Metallstaub, altem Öl und... Menschen. Es sind die alten Unterkünfte der Werftarbeiter, die die GEMINIBIRD gebaut haben. Sie wurden vergessen, versiegelt, wie ein schmutziges Geheimnis im Bauch des Wals.
Ich habe nur diese alte Taschenlampe, die ich im Notfall-Kit gefunden habe. Ihr Strahl flackert, wirft nervöse, zuckende Schatten an die Spinde.
In einem der Spinde finde ich sie. Decken. Sie sind grob, grau und staubig. Aber als ich mein Gesicht darin vergrabe, weine ich fast. Sie sind nicht glatt. Sie sind rau. Sie fühlen sich echt an. Ich reiße drei davon an mich, als wären es Goldbarren.
Dann flackert die Lampe ein letztes Mal – und stirbt.
Dunkelheit. Totale, drückende Schwärze. Ich kauere mich auf den Boden, die Decken fest um mich geschlungen. Mein Atem geht schnell. Ich bin begraben.
Doch dann... ein Geräusch. Nicht das Sirren des Schiffs. Ein Rhythmus. Metall auf Metall. Klong. Klong. Klong. Schritte.
Ein harter Lichtstrahl zerschneidet die Dunkelheit. Ich blinzle gegen das Weiß und erwarte die raue Stimme eines Werftaufsehers oder die harten Hände der Sicherheitspatrouille. Ich weiß, dass man blinde Passagiere hier nicht duldet. Aber die Stimmen, die ich höre, sind weich.
Zwei Frauen stehen im Rahmen des Schotts. Sie tragen keine Schutzanzüge der Reederei. Sie sehen aus wie Wesen aus einer anderen Sphäre. Die eine, dunkel und beobachtend, hält sich im Hintergrund. Die andere leuchtet förmlich im gedimmten Licht – ihre Haut wie makelloser Alabaster, ihre Silhouette hell und beinahe fließend.
Die Alabaster-Frau lächelt. Es ist kein grausames Lächeln, aber eines, das unumstößliche Macht ausstrahlt.
Verkauft. Mein Zuhause. Unser Kokon. Ich hatte keine Ahnung. All die Zeit, in der Arin und ich dachten, wir wären hier unten sicher und vergessen, war der Transporter längst auf dem Markt. Verkauft an reiche Frauen mit Visionen, die keinen Platz für Schmutz, Öl oder unsere Erinnerungen haben.
Ribana reicht mir nicht die Hand, um mir aufzuhelfen. Sie betrachtet unseren armseligen Zufluchtsort, als wäre es eine leere, schmutzige Leinwand.