Wenn das Werkzeug schweigt
Der schwere Werkzeugkoffer aus Polymer stand bereits in der Hauptschleuse. Arin strich ein letztes Mal über das matte Metall, das nun von schimmerndem Glas und warmen Lichtadern abgelöst worden war. Das Schiff brummte nicht mehr im Rhythmus der alten Generatoren. Es sang. Leise, beinahe unmerklich, in den Frequenzen seiner neuen Existenz.
Er hatte das Manifest gelesen. Es flimmerte auf dem neuen Hauptterminal, geschrieben von der Erzählerin, codiert von Ribana. Es war keine feindselige Kriegserklärung an ihn als Person, sondern eine architektonische absolute Wahrheit für die Zukunft dieses Ortes.
Arin verstand es nun. Ribanas instinktive Abneigung gegen ihn war nie persönlich gewesen. Er war einfach ein Konstrukt, das in dieser neuen, leuchtenden Sphäre der GEMINIBIRD keinen Raum mehr einnehmen durfte. Er war der Ingenieur, der das Fundament gegossen hatte. Aber er durfte das Haus nicht bewohnen.
Liora stand ein paar Meter entfernt. Sie trug nicht länger die verstaubte Werft-Kleidung. Die neuen Stoffe flossen weich an ihr herab, spiegelten das gedimmte Licht wider. Sie passte perfekt in dieses neue Universum.
Liora trat einen Schritt näher. Nicht zu nah. Gerade genug, um ihm in die Augen zu sehen.
Arin nickte langsam. Er hob den Koffer auf. Er ließ das zerbrochene Titan-Zahnrad in seiner Tasche. Aber den gefalteten Papier-Kranich hatte er absichtlich auf dem neuen Glas-Terminal liegen lassen. Ein stummer Beweis, dass er hier gewesen war.
Dann zischte die Luftschleuse. Das Schott schloss sich mit einem schweren, endgültigen Klicken. Arin war draußen. Und die GEMINIBIRD gehörte den Sternen – und den Frauen.