> PERSONAL_LOG // SUBJEKT: LIORA // STATUS: DELTA-PHASE
Das schwerelose Schweben war berauschend, doch es forderte einen unerwarteten Tribut. Der massive Spannungsabfall in meiner Muskulatur, die tiefe Atem-Frequenz und das konstante Ausleiten von Adrenalin ließen eine plötzliche, bleierne Müdigkeit über mich hereinbrechen. Meine Augenlider wurden schwer.
Auf herkömmlichen Schiffen bedeutet Schlafen in der Schwerelosigkeit, sich in enge, an der Wand montierte Schlafsäcke zu zwängen. Man muss sich fixieren, um nicht im Schlaf gegen Instrumente oder Schotten zu prallen. Es ist klaustrophobisch und rein zweckmäßig. Ich sah mich nach solchen Vorrichtungen um, doch die weite, kristalline Sphäre war leer.
Ribana schloss einfach die Augen. Sie gab keine vokalen Befehle, griff nach keinem Gurt. Sie vertraute sich dem leeren Raum an.
Plötzlich spürte ich, wie die Luft um meinen Rücken und meine Beine herum minimal dichter wurde. Es war kein physisches Material, das sich ausfuhr, sondern ein extrem feines Zusammenspiel aus mikroskopischen Luftströmungen und isolierten Gravitationsankern. Das Schiff erschuf ein Kissen aus Nichts.
Ich ließ den Kopf in den unsichtbaren Widerstand der verdichteten Luft sinken. Es hielt mich vollkommen sicher, weicher als jede Matratze, die ich jemals berührt hatte. Das sanfte Indigo-Licht der Sphäre dimmte sich langsam herunter, bis es nur noch ein tiefes, sternenloses Mitternachtsblau war.
Das Summen des Intercoms senkte sich in einen Frequenzbereich, den ich kaum noch hörte, aber tief in meinen Knochen spürte. Delta-Wellen. Sie zogen mich unweigerlich in den Schlaf. Der letzte bewusste Gedanke, bevor ich in eine traumlose Dunkelheit glitt, war reine Dankbarkeit für diese gigantische, lautlose Maschine, die uns so behutsam in den Händen hielt.