> PERSONAL_LOG // SUBJEKT: LIORA // STATUS: ZELLULÄRE REGENERATION
Das goldene Licht des simulierten Morgens hatte mich vollkommen wach gemacht. Mit dem Erwachen kam jedoch auch ein tiefes, irdisches Bedürfnis zurück: Hunger. Auf den Frachtkreuzern der Akademie bestand die erste Mahlzeit des Tages aus einer grauen, geschmacklosen Paste, die man aus Aluminium-Tuben direkt in den Mund drückte, um in der Schwerelosigkeit keine Krümel zu verursachen. Reine Kalorien. Reines Überleben.
Ich sah mich in der vollkommen glatten, leuchtenden Kammer um. Es gab hier keine Küchenmodule, keine sichtbaren Ausgabeschächte für Rationen.
Ribana schwebte mit geschlossenen Augen in der Mitte des Raumes, die Beine elegant übereinandergeschlagen. Ohne die Augen zu öffnen, deutete sie mit einer fließenden Handbewegung auf eine kleine Ausbuchtung in der Kristallinwand, die mir zuvor nicht aufgefallen war.
Als ich mich der Wand näherte, öffnete sich das Kristallin wie eine aufblühende Knospe. Aus der Mitte der Öffnung schwebte eine kleine, makellos geformte Sphäre aus Glas in den Raum. Sie war gefüllt mit einer tiefgrünen, dampfenden Flüssigkeit. Ein feines, energetisches Feld hielt die Flüssigkeit stabil im Inneren des Glases, sodass in der Schwerelosigkeit nichts entweichen konnte.
Ich nahm die Sphäre behutsam in beide Hände. Sie war angenehm warm. Als ich sie an meine Lippen führte und die Oberfläche der Flüssigkeit berührte, gab das Haltefeld minimal nach.
Der Geschmack war eine Offenbarung. Es schmeckte nicht nach Chemie oder Sterilität. Es schmeckte nach feuchter Erde nach einem Sommerregen, nach tiefen, dunklen Teeblättern und einer feinen, natürlichen Süße. Es war flüssige Geborgenheit. Jeder Schluck schien meine Muskeln von innen heraus zu wärmen und die letzte restliche Anspannung meiner Zeit auf der Raumstation wegzuspülen.