> PERSONAL_LOG // SUBJEKT: LIORA // STATUS: TRANSITION
Ich stand noch eine Weile an der transparenten Konsole. Die Brücke, einst der Ort meiner absoluten Kontrolle, fühlte sich plötzlich an wie eine leere Hülle. Die Koordinaten waren gesetzt, die Vektoren stabil. Die Sterne draußen vor dem großen Panoramafenster zogen als endlose, lautlose weiße Linien an uns vorbei.
Dann brach die Stille. Nicht durch einen Alarm, nicht durch das harte Schrillen einer Maschinenwarnung, sondern durch einen weichen, resonierenden Ton, der direkt aus den Wänden zu kommen schien. Das Intercom-System.
Ribanas Stimme war warm, durchdrungen von einer ruhigen Autorität, die keinen Widerstand duldete – und keinen erforderte. Es war kein Befehl. Es war eine Einladung in die Tiefe.
Ich löste meine Hand vom Terminal. Das cyanblaue Pulsieren der Schnittstelle schien mir für einen kurzen Moment nachzuleuchten, als wollte das Schiff mich verabschieden. Ich drehte mich um und ging auf die Hauptschleuse zum Zentral-Lift zu.
Mit jedem Schritt, den ich vom Bug des Schiffes weg in Richtung der unteren Decks machte, spürte ich die Veränderungen, die Arin vorgenommen hatte. Der Boden fühlte sich nicht mehr an wie kaltes, hartes Titanium. Er gab minimal nach, wie dichter Moosboden. Das neue Schwerkraft-Modul reagierte auf das Gewicht meiner Schritte und federte sie ab.
Die Türen des Lifts öffneten sich geräuschlos. Ich trat ein und drückte das glatte Feld für Ebene 4. Den Bereich, in dem früher die kalten Stase-Kammern für Langstreckenflüge gestanden hatten. Den Bereich, den Ribana komplett entkernt und in ihr Heiligtum verwandelt hatte.
Während die Kabine nach unten glitt, spürte ich, wie die Luft wärmer wurde. Sie roch nicht mehr nach gefiltertem Sauerstoff und Ozon. Ein schwacher, erdiger Duft mischte sich in die Zirkulation. Myrrhe. Warmer Sand. Etwas zutiefst Organisches.
Der Lift hielt an. Die Stille war zurück, doch diesmal war sie schwerer, aufgeladen mit einer unausgesprochenen Versprechung. Vor mir lag ein kurzer, schmaler Gang, an dessen Ende ein mattes, warmes Licht durch ein geöffnetes Schott brach. Ich atmete tief ein, schob meine Uniformjacke von den Schultern, ließ sie auf den weichen Boden fallen und ging auf das Licht zu.