> PERSONAL_LOG // SUBJEKT: LIORA // STATUS: SYNCHRONISATION
Als ich durch das Schott trat, erkannte ich Ebene 4 nicht wieder. Wo früher die sterilen, eckigen Stase-Kammern gestanden hatten, gab es nun keine geraden Linien mehr. Die Wände bestanden aus einem adaptiven Kristallin-Material, das in einem weichen, fast organischen Rhythmus schimmerte. Der Raum wirkte nicht gebaut, sondern gewachsen.
Ribana saß in der Mitte des Raumes auf dem formbaren Boden. Sie strahlte keine fordernde Energie aus, keine erdrückende Dominanz. Sie wirkte vielmehr wie ein stiller Ozean. Als ich mich näherte, hob sie nicht einmal den Blick. Sie atmete nur, langsam und tief.
Ich ließ mich ihr gegenüber nieder. Meine Knie berührten fast ihre. Ich erwartete, dass sie mich ansehen, mich prüfen oder mir Anweisungen geben würde. Doch sie streckte nur sanft ihre Hände aus, die Handflächen nach oben gerichtet.
Zögerlich legte ich meine Hände in ihre. Es war keine Geste der Leidenschaft, sondern eine der absoluten, reinen Sicherheit. In dem Moment, als unsere Haut sich traf, spürte ich eine Vibration im Boden unter uns. Twinstar hörte zu.
Ich gehorchte. Ich konzentrierte mich auf den ruhigen, gleichmäßigen Herzschlag, den ich durch ihre Fingerkuppen spürte. Langsam verschwanden die Gedanken an Arin, an die orbitale Werft, an die Millionen Kilometer Nichts um unsere Hülle herum. Mein eigener, noch leicht gehetzter Puls begann sich zu verlangsamen. Er glich sich an. Wir wurden zu einem einzigen, ruhigen Metronom in der Stille des Raumes.
Für das Schiff war dieser Moment ein Datenstrom. Für mich war es eine Offenbarung. Ich war mein Leben lang auf der Flucht vor der unendlichen Weite des Alls gewesen, hatte mich in Karten und Routen versteckt. Hier, in diesem leuchtenden Kokon, gehalten von Ribanas unerschütterlicher Ruhe und bewacht von einer KI, die gerade lernte, behutsam zu sein, musste ich zum ersten Mal nicht mehr rennen.