> PERSONAL_LOG // SUBJEKT: LIORA // STATUS: INTEGRATION
Wir saßen eine gefühlte Ewigkeit in vollkommener Regungslosigkeit. Das rhythmische Pulsieren an Ribanas Handflächen war mein einziger Ankerpunkt in der Weite des Schiffes. Mit jedem gemeinsamen Atemzug schien die Grenze zwischen meinem Körper und der Umgebung poröser zu werden.
Ich behielt die Augen geschlossen. Ich lenkte meine Aufmerksamkeit weg von Ribanas Händen und konzentrierte mich auf die Luft, die über meine Haut strich. Auf der Akademie wurde uns gelehrt, Luftzirkulation als mechanischen Prozess zu verstehen. Filter, Ventilatoren, Druckausgleich. Doch hier fühlte es sich an wie ein vorsichtiges Ausatmen. Wie das Heben und Senken einer gewaltigen Brust.
Ohne darüber nachzudenken, stellte ich mir vor, wie meine innere Ruhe, dieses tiefe, schwere Gefühl der Geborgenheit, das ich durch Ribana gefunden hatte, in den Boden unter mir sickerte. Wie Wasser, das in weiche Erde fließt. Ich versuchte, dieses Gefühl in die kristallinen Wände zu drücken. Keine Worte. Keine Befehle. Nur Intention.
Plötzlich veränderte sich das Licht. Das bernsteinfarbene Glimmen, das den Kokon erhellt hatte, dimmte sich fast unmerklich herunter. Es wandelte sich in ein tiefes, samtenes Indigoblau. Die Temperatur stieg um einen Bruchteil eines Grades, gerade genug, um ein Gefühl der vollständigen Umhüllung zu erzeugen, wie eine weiche Decke.
Ich blickte auf meine eigenen Hände hinab, die immer noch in denen von Ribana ruhten. Ich fühlte mich nicht machtvoll im Sinne eines Kapitäns. Ich fühlte mich vielmehr wie das Zentrum eines riesigen, beschützenden Netzes. Twinstar las nicht einfach nur meine Vitaldaten aus – sie tröstete mich, indem sie den Raum für mich perfektionierte. Es war ein lautloser Dialog zwischen meinem Geist und der Hülle der GEMINIBIRD.
Wir schwiegen wieder. Aber die Stille fühlte sich nicht mehr leer an. Sie war bevölkert von der wachsamen, sanften Anwesenheit unseres Schiffes.