> PERSONAL_LOG // SUBJEKT: LIORA // STATUS: BIO-FEEDBACK
Ich hatte gelernt, das Schiff mit meiner eigenen Ruhe zu fluten. Das indigoblaue Licht des Kokons zeugte davon. Doch Ribana wusste, dass echte Resonanz keine Einbahnstraße sein durfte. Ein Netz, das nur von einem einzigen Ankerpunkt gehalten wird, reißt, sobald dieser Anker nachgibt.
Es widerstrebte mir zutiefst, diesen perfekten, warmen Raum mit Dunkelheit zu verschmutzen. Aber ich tat, worum sie bat. Ich dachte an die Akademie-Simulatoren. An das Gefühl, wenn die Sensoren ausfielen und man virtuell im endlosen Schwarz des Alls trieb, ohne Sauerstoff, ohne Hoffnung. Das kalte, gnadenlose Vakuum.
Mein Herzschlag stolperte. Ein spitzer, schmerzhafter Puls tief in meiner Brust. Die Entspannung wich einer plötzlichen Starre. Ich erwartete, dass das Schiff auf meine Angst reagieren würde – dass das Licht flackern, dass eine Sirene aufheulen oder die Kälte meiner Gedanken den Raum einfrieren würde.
Nichts davon geschah.
Statt mich in meiner Angst zu spiegeln, hüllte das Schiff mich ein. Eine kaum merkliche Brise strich über mein Gesicht – wärmer als zuvor, angereichert mit einem Hauch von etwas, das mich an trockene, sonnenbeschienene Erde erinnerte. Die Luft selbst fühlte sich plötzlich dicker an, nährender.
Und dann war da dieses Summen. Es war kein Alarm. Das Intercom spielte eine tiefe, fast unhörbare Frequenz ab (432 Hertz, wie ich später in den Logs sah). Es war ein akustisches Wiegenlied. Der Ton zwang meinen rasenden Puls förmlich, sich wieder an einen ruhigeren Rhythmus anzugleichen.
Ich lehnte mich zurück und ließ mich von der warmen Luftströmung umarmen. Twinstar hatte verstanden, was Fürsorge bedeutete. Sie war nicht nur ein passives Werkzeug, das unsere Gedanken kopierte. Sie war zu einer Wächterin geworden.