> PERSONAL_LOG // SUBJEKT: LIORA // STATUS: SCHWERELOS
Wir verließen den zentralen Raum von Ebene 4 und glitten durch einen runden Korridor, der gänzlich ohne Kanten oder Ecken auskam. Das sanfte Indigo-Licht folgte uns wie eine treue Entität. Mein Körper fühlte sich noch immer warm an von der tiefen Atem-Frequenz, die das Schiff mir geschenkt hatte.
Am Ende des Korridors öffnete sich der Raum zu einer gewaltigen, sphärischen Kammer. Es gab hier kein klares Oben oder Unten. Die Wände waren mit dem gleichen fließenden Kristallin überzogen, das ich bereits kannte, doch sie schienen in einem flüssigen Rhythmus zu atmen.
Ich folgte ihr in die Mitte des Raumes. Jeder meiner Schritte fühlte sich bereits etwas leichter an, als würde der Boden mir entgegenkommen. Ribana hob leicht die Hand, eine Geste, die Twinstars Sensoren sofort auslasen.
Der Übergang war nicht abrupt wie in den Trainingsmodulen der Akademie, wo einem bei plötzlicher Schwerelosigkeit die Übelkeit in die Kehle stieg. Es war, als würde ich langsam in warmes, unsichtbares Wasser gleiten.
Meine Füße lösten sich lautlos vom Boden. Ich zog scharf die Luft ein, ein uralter Reflex des Fallens, doch Ribanas ruhiger Blick hielt mich fest. Ich fiel nicht. Ich schwebte.
Ich streckte meine Arme aus. Eine einfache Bewegung, doch ohne den Widerstand der Schwerkraft fühlte sie sich unendlich elegant an. Twinstar regulierte die sanften Luftströme im Raum so perfekt, dass ich nicht unkontrolliert durch die Sphäre driftete, sondern absolut stabil in der Mitte des Raumes gehalten wurde. Wie der Kern einer Zelle.
In diesem vollkommen schwerelosen Zustand schloss ich die Augen. Zum ersten Mal in meinem Leben musste mein Körper keine Arbeit leisten, um einfach nur zu existieren. Der Kokon trug mich. Twinstar trug mich. Ich war reines Bewusstsein, treibend in einem stillen, sicheren Ozean aus Licht.