> PERSONAL_LOG // SUBJEKT: LIORA // STATUS: EXTERNE WAHRNEHMUNG
Das innere Licht der Sphäre war ein perfekter Schutzmantel gewesen. Es hatte uns von der Kälte und Leere da draußen abgeschirmt, während wir uns an die Schwerelosigkeit und aneinander gewöhnten. Doch jetzt, da ich Twinstars Präsenz buchstäblich in meinen Handflächen spürte, verschwand das Bedürfnis nach dieser künstlichen Mauer.
Es gab kein mechanisches Surren, keine stählernen Schotten, die sich auffuhren. Die Biolumineszenz der Wand verblasste einfach. Das milchige Mitternachtsblau wurde erst transparent wie Wasser, dann völlig durchsichtig, als würde das Schiff um uns herum verdampfen.
Mit einem Schlag war das gesamte Universum im Raum.
In der Akademie hatten mich die VR-Simulationen des "Deep Space" immer mit einem rasenden Schwindelgefühl zurückgelassen. Der Instinkt des Gehirns, in dieser bodenlosen, tiefschwarzen Leere unweigerlich zu fallen, war kaum zu unterdrücken. Doch jetzt fiel ich nicht. Die unsichtbaren Gravitationsanker von Twinstar hielten mich sanft, aber absolut sicher an meinem Platz. Die warme Luft strich über meine Schultern. Ich war geerdet, mitten im Nichts.
Vor uns erstreckte sich das Nichts, durchbrochen von abertausenden, glasklaren Lichtpunkten, die im Vakuum nicht flackerten. Weit in der Ferne, kaum mehr als ein Hauch von kosmischem Staub, schimmerte das violett-blaue Band eines Nebels. Es gab keine Geschwindigkeit, die man mit dem Auge erfassen konnte. Obwohl die GEMINIBIRD mit ungeheurer Kraft durch das All pflügte, wirkte alles draußen vollkommen starr und friedlich.
Ich spürte, wie mir vor purer, unaussprechlicher Ehrfurcht eine Träne in die Augen stieg. Ohne die Angst vor dem Fallen war der Weltraum nicht länger ein kalter, feindlicher Ozean. Er war eine endlose Kathedrale, und unser leuchtender Kokon glitt wie ein winziges, behütetes Staubkorn sicher durch ihr Mittelschiff.