> PERSONAL_LOG // SUBJEKT: LIORA // STATUS: TEMPORALE SYNCHRONISATION
Der freie Blick in die Unendlichkeit war überwältigend. Aber je länger ich in die transparente Wand hinaussah, desto mehr schlich sich ein kalter, alter Gedanke aus meiner Akademie-Zeit in meinen Hinterkopf.
Wir bewegten uns mit relativistischer Geschwindigkeit. Bei den Standard-Frachtern und Militärkreuzern nannte man das den "Phantomschmerz". Während für uns an Bord vielleicht nur Wochen vergingen, drehte sich die Zeit auf den Planeten, die wir hinter uns gelassen hatten, gnadenlos weiter. Jeder Blick auf diese fernen Sterne war ein Blick in eine Vergangenheit, die schon lange tot war.
Ribana schüttelte sanft den Kopf. Im blassen Sternenlicht wurde ihre faszinierende Erscheinung noch unwirklicher. Als Albino fehlte ihr durch einen seltenen Gendefekt jegliche Körperbehaarung, und ihre vollkommen glatte Haut leuchtete wie warmer, makelloser Alabaster. Sie schimmerte im gedimmten Licht der GEMINIBIRD wie flüssiger Mondstein. Wie sie so vor dem Fenster schwebte, wirkte sie fast wie ein unantastbares Geistwesen, völlig losgelöst von den Gesetzen der Materie und der Zeit. Ich verstand langsam, warum die Besitzerin dieses Schiffes sie als ihren "leuchtenden Schatten" bezeichnete.
Sie hob elegant eine Hand und deutete auf die leuchtende Architektur um uns herum.
Ich atmete tief ein. Ein kaum spürbares, vibrierendes Kribbeln zog durch die Luft der Kammer, so fein, dass es sich fast anfühlte, als würde die Raumzeit selbst weich massiert werden. Der Gedanke an die vergehenden Jahre da draußen verlor plötzlich sein Gewicht.
Ich verstand es nun vollends. Der wahre "Luxus" dieser Yacht bestand nicht in goldenen Armaturen oder riesigen Räumen. Der wahre Luxus war das absolute Fehlen von Angst. Twinstars Quanten-Verschränkung war wie ein gewaltiger, unsichtbarer Anker, der uns sicher im Jetzt festhielt, egal wie schnell wir durch das kalte Licht der Sterne rasten.