Wenn Sekunden zu Stunden werden
Oben auf den Decks herrschte der Takt. Schichtwechsel alle 8 Stunden. Wartungsintervalle alle 40 Minuten. Das Schiff war eine Uhr, die uns alle im Rhythmus hielt. Aber hier unten, in unserem Kokon, schien die Zeit flüssig zu werden.
Ich erinnere mich an einen Abend – oder war es ein Morgen? – an dem Liora mir von den Ozeanen der Erde erzählte. Wir saßen einfach nur da. Keine Aufgaben. Keine Warnleuchten. Ich schloss die Augen und hörte ihrer Stimme zu. Als ich sie wieder öffnete, waren vier Stunden vergangen. Auf dem Chronometer war es nur ein Wimpernschlag.
Es gab einen Tag, an dem wir beide einschliefen. Erschöpft von der Schicht, angelehnt an das warme Gehäuse des Konverters. Wir hätten den Beta-Schicht-Alarm hören müssen. Er ist laut, schrill und unmöglich zu ignorieren.
Aber der Alarm kam nie. Ich wachte auf, weil Liora sich im Schlaf bewegte, nicht weil eine Sirene heulte. Wir waren zwei Stunden überfällig. Als wir panisch auf das Terminal schauten, blinkte dort keine Fehlermeldung. Nur ein sanftes, grünes Licht.
Wir sahen uns an und wussten es. Das Schiff hatte uns nicht vergessen. Es hatte uns Zeit geschenkt. Es war der wertvollste Rohstoff im ganzen Universum, und Twinstar hatte ihn uns einfach so gegeben.